Mittwoch, 06.10.2021
20 Uhr

Bürgerhaus Gräfelfing am Bahnhofsplatz
 

100 Jahre
Literarische Gesellschaft Gräfelfing
  

 


Foto: Horst Stenzel

Presseartikel

Zum 150. Geburtstag von
Heinrich Mann

"Wer Dich liest, sieht Menschen"
Ein sehr persönlicher Blick von
Carla Mann
auf das Leben und die Lieben ihres großen Bruders

Eine szenisch-musikalische Collage
von und mit Cornelia Bernoulli
und an der Zither begleitet von Sarah Luisa Wurmer
 

Cornelia Bernoulli
freischaffende Schauspielerin,
Sprecherin und Autorin
Sarah Luisa Wurmer
Musikerin im Fach Zither


Anlässlich von Heinrich Manns 150. Geburtstag sinniert seine Schwester, die Schauspielerin Carla Mann, über das Leben und die Lieben des ältesten Bruders. Die Themen des Schriftstellers kreisten anfangs um Weiblichkeit und Künstlertum und bewegten sich später zunehmend in Richtung Politik und Gesellschaftskritik. Seine scharfsinnige Sicht wurde von den beiden Weltkriegen und der Emigration geprägt.

Unter den fünf Mann-Geschwistern - Heinrich, Thomas, Julia, Carla, Viktor - bestand zwischen dem ältesten, Heinrich, und der zehn Jahre jüngeren Carla eine besondere und intime Beziehung. Ihre Geschwisterliebe fand sich in der Suche zwischen Kunst und Leben, Spiel und Wagnis, Verlangen und Sehnsüchten. Die kleine Schwester wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eine Zeit lang zur Inspirationsquelle für Heinrich Manns schriftstellerische Arbeit. Carla lieferte dem verehrten Bruder viel persönliches „Futter“ aus ihrem kurzen schwierigen Theaterleben, welches er auch nach ihrem frühen Tod literarisch verarbeitete.

Carla Mann präsentiert Ausschnitte aus verschiedenen Werken Heinrich Manns und befasst sich mit Novellen und Romanen wie „Schauspielerin“, „Göttinnen“, „Professor Unrat“, „Der Untertan“ und „Die Vollendung des Königs Henri Quatre“. Für diese Theatercollage schlüpft die Schauspielerin Cornelia Bernoulli in die Figur der Carla Mann. Die sehr persönliche Sicht auf den Schriftsteller Heinrich Mann wird live von Sarah Luisa Wurmer mit Musik verbunden. Die junge Zitherspielerin sorgt mit zeitgenössischen und klassischen Akzenten dafür, dass bei dieser Performance der Bezug zur Gegenwart erhalten bleibt.


Cornelia Bernoulli - Foto: Horst Stenzel
Horst Stenzel hatte die Idee zu einem Audio-Podcast. Die vier Podcastfolgen „Heinrich Mann wird 150“ mit Gesprächen zwischen den am Projekt Beteiligten und weiteren interessanten Interviewpartnern

Sarah Luisa Wurmer  ©ElisabethPfahlerScharf.



Foto: Horst Stenzel

 

Cornelia Bernoulli ist Schweizerin, arbeitet seit 1985 nach festen Engagements frei als Schauspielerin, Sprecherin und Autorin. Sie hat die Collage konzipiert und war 2019 mit ihrem Fontane-Abend "Ein weites Feld"  bereits bei uns zu Gast.
 

Sarah Luisa Wurmer ist Münchnerin, war schon als Schülerin Jungstudentin im Fach Zither an der Hochschule für Musik und Theater in München. Bei „Jugend musiziert“ hat sie mehrere Bundespreise gewonnen.



Foto:  Buddenbrookhaus Heinrich-und Thomas-Mann-Zentrum
 



150.  Geburtstag
von Heinrich Mann

am 27. März 2021

 


Zu Ehren des Schriftstellers, der vor allem mit seinen gesellschafts-kritischen Romanen „Professor Unrat“ und „Der Untertan“ berühmt wurde, veranstaltete das Buddenbrookhaus in Lübeck zahlreiche Aktionen. Heinrich Manns direkt nach dem Ersten Weltkrieg erschienener Roman "Der Untertan" wurde zum großen Erfolg und hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren. Ab Sommer 2022 wird das Buddenbrookhaus dem "Untertan" eine eigene Ausstellung widmen.
 


Heinrich Mann widersetzt sich früh, denkt politisch und liebt leidenschaftlich. Er ist nach dem Erscheinen seines Romans „Der Untertan“ ein Star in der Weimarer Republik. Doch seine Träume von Demokratie und einer europäischen Zentralunion zerschlagen sich als die Nationalsozialisten die Macht übernehmen. Er muss aus Deutschland fliehen und wird in Frankreich zum Sprecher der Emigranten. Mit dem letzten Schiff entkommt er 70jährig in die USA, wo er ohne die finanzielle Hilfe seines Bruders Thomas Mann nicht überleben könnte.




Foto: Wikipedia

Carla Auguste Olga Maria Mann
(23.09.1881- 30.07.1910)


Carla Mann will ein Leben in der Bohème, Künstlerin sein und distanzierte sich von ihrem großbürgerlichen Umfeld. Sie führe, schreibt sie 1904 an ihren Bruder Heinrich, nun ein Leben, das mit „Literatur, Ästhetik und Sekt getränkt“ sei. So zieht sie als Schauspielerin von einer Bühne zur anderen. Ein anstrengendes Leben - nicht immer mit Erfolg aber mit ständigen Geldsorgen. Bei ihrem zehn Jahre älterer Bruder Heinrich findet sie Verständnis, 'der zwar als korrekter Herr im Gehrock auftritt, aber provokante Literatur schreibt und Dauergast in lockeren Etablissements' ist. Er war ihr Intimfreund, dem sie als seine Muse eine Zeitlang in ihren Briefen alle Gedanken und Gefühle anvertraute.
Auf ihre Empfindungen und Befindlichkeiten wurde letztlich in der Familie aber offenbar wenig Rücksicht genommen. Der Philosoph, Schriftsteller und Publizist Theodor Lessing, ein Schwabinger Bohemien, charakterisierte Carla 1906 enttäuscht von der Mannschen Familiendisziplin als: "resignierte Chaiselongueexistenz mit heroischer Sehnsucht nach einem Millionär". Ihre einzige Rettung scheint in einer gewinnbringenden Heirat zu liegen. Als es jedoch mit ihrem Verlobten, dem elsässischen Industriellensohn  Arthur Gibo, wegen einer Affäre Carlas zum Streit kommt und daran díe Heirat scheiterte, begeht sie mit 28 Jahren Suizid durch die Einnahme von Zyankali. Eine Erklärung, ein Nachlass ist nicht erhalten. Nur ein an den Verlobten gerichteter Bleistiftzettel: "Je t'aime. Une fois je t'ai trompé, mais je t'aime."

Das war
ein Verlust, über den Heinrich Mann in der ersten Phase scheinbar nur schwer hinwegkam. Er verarbeitete ihren Tod jedoch innerhalb kürzester Zeit in dem Theaterstück
Schauspielerin, ebenso ihr Bruder Thomas Mann in dem Roman Doktor Faustus, in dem auch die Lebensgeschichte der Schwester Julia literarisch verarbeitet ist. (u.a.Wikipedia)




Foto wikimedia

Luiz Heinrich Mann im Jahr 1906
(27.03.1871 - 11.03.1950)


Während fast allen Mitgliedern der Familie Mann zahllose Biographien, Bildbände, Aufsätze gewidmet sind, blieb das tragische Leben der jüngsten Schwester von Heinrich, Thomas und Viktor Mann bislang weitgehend im Dunkeln. Der Literaturwissenschaftler Willi Jasper hat sich als erster mit Leben und Leiden von Carla Mann beschäftigt. Offensichtlich war 1903 das Verhältnis zwischen Carla und Heinrich sehr nahe gekommen, vielleicht zu nahe. "Ganz offensichtlich hatte die Familie Angst, dass irgendwelche Inzest-Geheimnisse auf den Markt kommen", sagt Jasper. "Und offensichtlich war das Verhältnis zwischen Carla und ihrem älteren Bruder Heinrich sehr eng, sodass man so etwas nicht ausschließen kann. In seinen Novellen und in einigen Romanen findet man dazu mehr als in den Archiven natürlich." Heinrich ist für Carla die wichtigste Stütze, ihm vertraut sie alles an, breitet vor ihrem Bruder freiwillig ihre Intimsspäre aus, wissend, dass er sie damit literarisch "verewigt". Jasper: "Heinrich hat sie angehalten, die Briefe so zu verfassen, dass er sie für seine Novellen verwenden kann. Das hat sie auch getan. Sie hat ihn regelrecht aufgefordert, dass er das benutzen solle, und anschließend hat sie dann aber auch wiederum in dieser Wechselwirkung so gelebt, wie einige Novelle-Heldinnen. Es gibt eine ganze Reihe von Vorbildern an Frauen, Musen von Künstlern, die ähnlich gestorben sind wie Carla." Carla Mann ist erst 28 Jahre alt, als sie das Leben nicht mehr aushält. Sie nimmt so viel Zyankali, das - so ihr Bruder Thomas später - "ausgereicht hätte, um eine ganze Kompanie Soldaten zu töten".

 „Sie hatte nicht das Gefühl unseres gemeinsamen Schicksals.“ Thomas Mann

Carla Mann. Wikipedia - Heinrich Mann Wikipedia -
NDR. Carla Mann Ein Leben im Schatten der Brüder - Deutschlandfunk. Im Schatten der Gebrüder Mann - titel-kulturmagazin Menschen - Der Tagespiegel Im Schatten - WELT Die verlorenen Ehre der Carla Mann - Hermann Kurzke Thomas Mann -


  
Jasper,
Das tragische Leben
 im Schatten de Brüder


cornelia-bernoulli.eu


Cornelia Bernoulli
Schauspielerin, Autorin, Theaterproduktionen, Lesungen, Hörspiele, TV, Video, Hörbücher, Drehbücher, Texte.

Ihr Vater war ein Schweizer Architekt und Politiker aus der Gelehrtendynastie Bernoulli. Cornelia wuchs in Basel auf und erhielt ihre Ausbildung zur Schauspielerin an der Folkwang Hochschule in Essen. Sie hatte anschließend feste Theaterengagements in Göttingen, Hildesheim und Kaiserslautern. Bernoulli spielte klassische, moderne und komische Rollen und wirkte in kabarettistischen Theaterrevuen mit. Seit 1985 lebt und arbeitet die Schweizerin überwiegend in München als freischaffende Schauspielerin, Sprecherin - Hörbücher - und Autorin - u.a. Drehbücher. In den letzten Jahren entstanden Theater-Collagen, Live-Hörspiele, Lesungen und literarisch-musikalische Porträts. Mit den Programmen touren sie und ihre jeweiligen Kollegen – meist zu zweit - quer durch die deutschsprachige Kulturlandschaft. Bei den Projekten übernimmt Bernoulli auch die Vermarktung und Organisation. Die Textvorlage für “’Wer dich liest, sieht Menschen’ - Carla Mann über ihren Bruder Heinrich Mann” stammt von ihr. Die Theaterfrau entwickelte auch Idee und Konzept für „Theodor Fontane: Ein weites Feld“ (Sept. 2019 bei der Literarischen Gesellschaft) sowie für „Luthers Lust und Liebe“ - die Liebes- und Lustgeschichte zwischen Martin Luther und Katharina von Bora. Für dieses Programm erhielt Bernoulli in Bayern den 'Zonta Fünf-Seen-Land Medienpreis 2017'. Weitere Produktionen: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ – Otto Julius Bierbaum - eine literarisch-musikalische Autospritztour. „Lulu und die anderen – Frank Wedekinds Frauen und die Bohème“ – ein literarisch-musikalischer Bilderbogen. „Oh Liebe! Oh Bildung! Die Pestalozzis“ - die heimliche Liebesgeschichte zwischen Anna und dem Reformpädagogen Heinrich Pestalozzi. „Liebes Herz!“ Hermann Hesses Leidenschaft für Ruth Wenger - aus den Briefen zwischen Hesse und seiner zweiten Frau. „Heidis Schweizer Revue“ mit den besten literarischen Kostproben und den schönsten eidgenössischen Volksliedern. „Zweifel – Opfer oder Täter?“ zum Thema Missbrauch. https://cornelia-bernoulli.eu/ - https://de.wikipedia.org/wiki/Cornelia_Bernoulli
 


Sarah Luisa Wurmer
Zither Musikerin

Zitherkunst in ihrer ganzen Vielfalt, Musik aus allen Stilen und Zeiten ohne Gattungs- oder Epochenbegrenzungen, von Renaissance über Barockkunst und Salonmusik bis hin zur Moderne!
Sarah Luisa Wurmer schloss das sprachlich und musisch orientierte Gymnasium Max-Josef-Stift 2020 in München mit dem Abitur ab und wurde als Stipendiatin in das Max Weber-Programm des bayerischen Staatsministeriums aufgenommen. Parallel zur Schule war sie bereits als Jungstudentin der Hochschule für Musik und Theater München (HMTM), Hauptfach Zither, aktiv. Seit 2013 beteiligte sich die junge Musikerin mehrfach am Wettbewerb „Jugend musiziert“ und gewann in der Kategorie Zupfinstrumente mehrere 1. Bundespreise. Sie tritt bei diversen Konzerten und Festivals auf und ist Mitglied verschiedener Ensembles, u.a. des bayerischen Jugendzitherorchester des Deutschen Zitherbundes. Seit Herbst 2020 ist Sarah Wurmer Vollzeitstudentin bei Prof. Georg Glasl an der HMTM mit Nebenfach Klavier. www.sarahluisawurmer.de   - Facebook


© Elisabeth Pfahler-Scharf